Sackgeld Kinder

Sackgeld für Kinder: Der erste Schritt zu einem gesunden Umgang mit Geld

Die Sommerferien neigen sich langsam dem Ende zu und für viele Familien beginnt bald wieder der Schulalltag. Vielleicht startet dein Kind nach den Ferien erstmals mit Sackgeld oder es ist Zeit, den Betrag dem Alter anzupassen.

Dieses Thema kam bei uns kürzlich in der Familie auf. Dabei wurde mir bewusst: Eigentlich schreibe ich selten über Kinder oder Erziehung. Mein Herzensanliegen ist es vielmehr, Erwachsene dabei zu unterstützen, ihre Finanzen bewusst, selbstbestimmt und mit Freude zu gestalten.

Doch genau deshalb finde ich dieses Thema so wichtig.

Als Finanzplanerin erlebe ich immer wieder, wie schwierig der Umgang mit Geld für viele Erwachsene ist. Und das nicht, weil ihnen die Intelligenz oder Disziplin fehlt, sondern weil sie nie gelernt haben, wie man bewusst mit Geld umgeht. Oft wurden über Jahre Verhaltensmuster und Überzeugungen geprägt, die später nur schwer zu verändern sind.

Warum also nicht viel früher damit beginnen?

Sackgeld ist aus meiner Sicht weit mehr als nur ein paar Franken pro Woche. Es ist eine wunderbare Gelegenheit, Kindern einen gesunden Umgang mit Geld mitzugeben. Sie lernen, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen, Verantwortung zu übernehmen und zu erkennen, dass Geld ein Werkzeug ist, das Möglichkeiten schafft.

Genau deshalb wollte ich diesen Beitrag schreiben. Denn finanzielle Bildung beginnt nicht erst mit dem ersten Lohn oder der ersten Hypothek – sie beginnt oft mit ein paar Franken Sackgeld.

Wie viel  Sackgeld ist in der Schweiz üblich?

Zuerst die Frage, die viele Eltern beschäftigt: Wie viel Sackgeld ist angemessen?

Die wohl bekanntesten Richtwerte stammen von der Budgetberatung Schweiz. Sie dienen als Orientierung und sollen den individuellen Möglichkeiten der Familie angepasst werden.

Sackgeld Kinder Schweiz

Wichtiger als die genaue Höhe ist jedoch, dass das Sackgeld regelmässig und zuverlässig ausbezahlt wird. Nur so lernen Kinder, ihr Geld einzuteilen und damit zu planen.

Sackgeld ist kein Lohn

Sackgeld sollte weder als Belohnung noch als Strafe eingesetzt werden.

Wer gute Noten schreibt oder das Zimmer aufräumt, sollte deshalb nicht automatisch mehr Sackgeld erhalten. Umgekehrt sollte Sackgeld auch nicht gestrichen werden, wenn einmal etwas nicht rund läuft.

Warum?

Weil Kinder sonst lernen, dass Geld in erster Linie ein Mittel zur Bestrafung oder Belohnung ist.

Normale Aufgaben im Familienalltag gehören aus meiner Sicht einfach dazu. Sie sind Teil des Zusammenlebens.

Etwas anderes können freiwillige Zusatzarbeiten sein. Wer beispielsweise beim Nachbarn den Rasen mäht oder bei einem grösseren Gartenprojekt mithilft, darf dafür durchaus einen kleinen Zustupf erhalten. So lernen Kinder gleichzeitig den Zusammenhang zwischen Leistung und Einkommen kennen. Gleichzeitig fördert dies schon früh Eigeninitiative, Unternehmergeist und kreatives Denken. Kinder erleben, dass sie mit einer Idee oder zusätzlichem Engagement selbst etwas bewirken und sich einen Wunsch erfüllen können.

Mit Geld umgehen muss man lernen – und zwar möglichst früh

Viele Erwachsene sagen heute:

“Mit Geld umgehen hat mir niemand beigebracht.”

Dabei beginnt finanzielle Bildung nicht mit Aktien oder Hypotheken.

Sie beginnt mit CHF 3.– Sackgeld.

Kinder lernen dabei ganz selbstverständlich:

  • Entscheidungen zu treffen
  • Prioritäten zu setzen
  • auf Wünsche zu sparen
  • mit Enttäuschungen umzugehen
  • Verantwortung für das eigene Geld zu übernehmen

Deshalb sehe ich Sackgeld nicht als Taschengeld, sondern als Lerngeld. Gleichzeitig prägen wir mit diesen ersten Erfahrungen auch das spätere Money Mindset unserer Kinder. Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder Erwachsene, die Geld mit Sorgen, Unsicherheit oder sogar einem schlechten Gewissen verbinden. Umso wichtiger ist es, Kindern von Anfang an zu vermitteln, dass Geld weder gut noch schlecht ist. Geld ist ein Werkzeug. Wer lernt, bewusst damit umzugehen, gewinnt Möglichkeiten, Sicherheit und Entscheidungsfreiheit.

Mein Lieblingsmodell: Das Drei-Töpfe-Prinzip

Ich bin ein grosser Fan davon, Kindern möglichst früh beizubringen, dass Geld unterschiedliche Aufgaben hat.

Nicht jeder Franken ist zum Ausgeben da. Eine einfache Möglichkeit ist das Drei-Töpfe-Prinzip.

Nehmt drei Einmachgläser oder kleine Behälter und gestaltet sie gemeinsam mit eurem Kind.

Modell: Drei-Töpfe-Prinzip

Topf 1: Ausgeben: Für Dinge, die sich dein Kind in naher Zukunft kaufen möchte.

Topf 2: Sparen: Für einen grösseren Wunsch, der etwas Geduld braucht.

Topf 3: Teilen: Für Geschenke, kleine Spenden oder um jemandem eine Freude zu machen.

Kinder erleben dadurch, dass Geld nicht nur für die eigenen Wünsche da ist, sondern auch Freude schenken kann.

Dieses einfache System begleitet uns übrigens auch als Erwachsene.

Denn letztlich machen wir genau dasselbe:

  • Geld für den Alltag
  • Geld für die Zukunft
  • Geld für andere

Genau deshalb gefällt mir dieses System so gut. Es vermittelt Kindern ganz selbstverständlich einen bewussten Umgang mit Geld. Als Finanzplanerin stelle ich immer wieder fest, dass viele Erwachsene nie gelernt haben, ihrem Geld eine Aufgabe zu geben. Was auf dem Konto eingeht, wird auch wieder ausgegeben – oft ohne Plan oder System. Und dann wundern sie sich Jahre später, warum kein Vermögen entstanden ist oder für unerwartete Ausgaben und grössere Wünsche kaum Reserven vorhanden sind.

Wer hingegen schon als Kind lernt, Geld bewusst einzuteilen, schafft eine wertvolle Grundlage fürs ganze Leben.

Übrigens: Es müssen nicht zwingend drei Einmachgläser sein. Das Prinzip ist wichtiger als die Form. Für den Bereich Ausgeben kann beispielsweise das Portemonnaie dienen, fürs Sparen ein Sparschwein oder eine abschliessbare Sparkasse und fürs Teilen eine kleine Dose oder ein weiteres Glas. Entscheidend ist, dass dein Kind die verschiedenen "Aufgaben" des Geldes sichtbar erlebt.

Sparziele

Gemeinsam Sparziele definieren

Das Sparschwein darf selbstverständlich seinen Platz haben.

Noch wichtiger als das eigentliche Sparziel ist dabei das Gespräch mit deinem Kind. Gemeinsam zu überlegen, worauf es sparen möchte, fördert einen bewussten Umgang mit Geld. Kinder lernen, Wünsche zu priorisieren, Geduld zu entwickeln und zu verstehen, dass man sich nicht alles sofort leisten kann. Das sind Fähigkeiten, die weit über das Thema Geld hinausgehen.

  • Fragt euch gemeinsam:
  • Worauf möchtest du sparen?
  • Was kostet dieser Wunsch?
  • Wie lange dauert es ungefähr, bis du ihn dir leisten kannst?

Falls dein Kind aktuell noch keinen grösseren Wunsch hat, könnt ihr gemeinsam festlegen, ab welchem Betrag das Geld auf ein Kinderkonto überwiesen wird.

So liegt nicht unnötig viel Bargeld zu Hause herum und das Kind lernt gleichzeitig den Umgang mit einem Bankkonto kennen.

Sparkonto oder investieren?

Früher oder später stellt sich die Frage, was mit grösseren Geldbeträgen passieren soll.

Dabei unterscheide ich klar zwischen Sackgeld und grösseren Geldgeschenken, beispielsweise von Grosseltern oder zu Geburtstagen und Weihnachten.

Das eigentliche Sackgeld

Das Sackgeld gehört meiner Meinung nach nicht an die Börse.

Es soll jederzeit verfügbar sein, damit dein Kind damit eigene Erfahrungen sammeln und selbst entscheiden kann.

Braucht dein Kind das Geld im Moment nicht, kann es auf einem Sparkonto aufbewahrt werden. Die Verzinsung ist aktuell zwar eher tief, dennoch bleibt das Geld sicher verfügbar.

Grössere Sparbeiträge

Erhält dein Kind grössere Geldgeschenke und wird dieses Geld voraussichtlich über viele Jahre nicht benötigt, kann ein kostengünstiger Anlagefonds oder ETF sinnvoll sein.

Dabei geht es aus meiner Sicht nicht nur um die mögliche Rendite.

Mindestens genauso spannend ist der Lerneffekt.

Kinder können beobachten, dass sich Börsenkurse bewegen. Sie lernen, dass Anlagen kurzfristig schwanken können, langfristiges Investieren jedoch oft bessere Ertragschancen bietet als das reine Sparen.

Natürlich sollte dies altersgerecht erklärt werden und erst dann, wenn dein Kind Interesse daran zeigt.

  5 häufige Fehler

  1. Unregelmässig auszahlen
  2. Sackgeld als Strafe oder Belohnung einsetzen
  3. Jeden Fehlkauf verhindern
  4. Alle Wünsche sofort erfüllen
  5. Dem Kind sämtliche Entscheidungen abnehmen

Lass dein Kind Fehler machen

Dieser Punkt ist mir besonders wichtig.

Viele Eltern möchten verhindern, dass ihr Kind Geld für etwas “Unsinniges” ausgibt. Ich sehe das etwas anders.

Das Spielzeug, das nach zwei Tagen langweilig wird, ist vielleicht eine der wertvollsten Finanzlektionen überhaupt. Kinder dürfen erleben, dass sich nicht jeder Kauf langfristig lohnt. Diese Erfahrungen sind wesentlich günstiger als dieselben Fehler später als Erwachsene.

Natürlich gibt es Grenzen. Dinge, die in eurer Familie grundsätzlich nicht erlaubt sind, bleiben selbstverständlich tabu.

Innerhalb dieses Rahmens würde ich Kindern aber möglichst viel Entscheidungsfreiheit geben. Denn genau dadurch lernen sie.

Sprecht mit euren Kindern über Geld

Mindestens so wichtig wie das Sackgeld selbst sind die Gespräche darüber.

Stellt eurem Kind Fragen wie:

  • Warum möchtest du das kaufen?
  • Was gefällt dir daran?
  • Ist dir das wirklich wichtig?
  • Würdest du lieber noch etwas sparen?
  • Würdest du dir den gleichen Wunsch morgen nochmals erfüllen?

Diese Gespräche helfen Kindern, ihre Entscheidungen zu hinterfragen und bewusster zu treffen.

 Das wichtigste auf einen Blick

• Sackgeld ist Lerngeld.
• Regelmässigkeit ist wichtiger als die Höhe.
• Nutze das Drei-Töpfe-Prinzip.
• Sprecht regelmässig über Geld.
• Lass dein Kind auch Fehler machen.
• Vermittle einen positiven Umgang mit Geld.

Die 48-Stunden-Regel

Gerade wenn Kinder älter werden, begegnen ihnen immer mehr Werbeanzeigen, Social Media oder Trends.

Eine einfache Regel kann helfen:

Schlaf zwei Nächte darüber.

Wenn dein Kind den Wunsch nach 48 Stunden immer noch hat, lohnt es sich, nochmals darüber nachzudenken.

Ist das Interesse hingegen bereits verschwunden, war es vermutlich eher ein spontaner Impuls.

Auch das ist finanzielle Bildung.

Denn wer Impulskäufe hinterfragt, entwickelt schon früh eine wichtige Fähigkeit für das ganze Leben.

Mein Fazit

Die Frage ist nicht, ob dein Kind CHF 4.– oder CHF 5.– erhält. Viel wichtiger ist, was es dadurch lernt. Sackgeld bietet die Chance, Kindern Schritt für Schritt einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld beizubringen.

Sie lernen zu planen, Prioritäten zu setzen, zu sparen, Entscheidungen zu treffen und manchmal auch Fehler zu machen.

All das sind Fähigkeiten, die sie weit über die Kindheit hinaus begleiten werden.

Vielleicht lohnt sich deshalb die Frage: Welchen Umgang mit Geld möchtest du deinem Kind mitgeben? Soll Geld später Sorgen auslösen – oder Möglichkeiten schaffen? Geld ist ein Werkzeug.  Finanzielle Bildung beginnt zu Hause. Je früher Kinder lernen, bewusst damit umzugehen, desto besser begleitet sie dieses Wissen durchs Leben.

Lass uns gemeinsam starten

Oder schreib mir eine Nachricht auf Instagram oder LinkedIn

Ich freue mich auf dich!

Herzlich, 

Nadine

Life & Finanzcoach für Frauen, Finanzplanerin, Pensionsplanerin

Holistic Flow - Finanzberatung für Frauen
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